Donnerstag, 15. Dezember 2011

Grüße aus Phnom Penh

Es ist zwar schon ziemlich spät hier bei uns in Kambodscha, aber ich habe dennoch das Gefühl, endlich mal wieder einen Blog-Eintrag fabrizieren zu müssen, um gegen meinen vergesslichen Kopf anzukämpfen und eine kleine Erinnerungsquelle zu schaffen. Hier passieren jeden Tag so viele Dinge und wir erleben so viel Schönes und Komisches dass es eigentlich schade ist, nur einen Bruchteil von alledem wiedergeben zu können. Ich werde mich also bemühen, die wichtigsten Dinge zu erfassen.

Der letzte Stand der Dinge: Anja und ich in Siem Reap auf großer Tempelerkundungstour. Wir hatten uns für ein 3-Tages-Ticket entschieden, da uns ein Tag definitiv zu kurz und sieben ein wenig zu lang erschienen. Das war definitiv eine gute Entscheidung. Bei unserem ersten Besuch sind wir die kleine Tempelrunde abgefahren, beim zweiten die große und am letzten Tag haben wir uns zwei klapprige Räder ausgeliehen, mit denen wir dann von Tempel A zu Tempel B, C, D…. gestrampelt sind. Da ich es mir allerdings am Vortag unserer Radtour nicht nehmen lassen wollte, einen eimergroßen Cocktail in mich hineinzuschütten, war ich am besagten Radeltag alles andere als in Höchstform und nachdem wir Angkor Wat erreicht hatten, ist mir erst mal direkt schwarz vor Augen geworden und ich stand komplett im Schweiße. Also erst mal Beine hoch, Wasser getrunken und tief durchgeatmet. Danach ging es schon etwas besser und wir konnten im Schneckentempo alles besichtigen. Ich fahr zwar wirklich leidenschaftlich gerne Fahrrad, aber nach dieser Tour war ich unglaublich froh, meinen Drahtesel loszuwerden. Man müsste gefühlte 1000 Tretbewegungen pro Sekunde machen, um überhaupt in Bewegung zu bleiben.

Noch ein kurzer Einschub: wir haben die Tempel nicht 3 Tage hintereinander besucht. Einen Tag lang haben wir einen Kochkurs für kambodschanische Küche absolviert. In erster Linie aus Interesse am Essen der Einheimischen, in zweiter Linie weil wir uns davon ein nettes Kochgrüppchen erhofften, mit dem wir uns sozialisieren könnten. Leider waren Anja und ich die einzigen, die zum Kochkurs aufschlugen. Nach einer kurzen Enttäuschung darüber ging es ziemlich schnell los. Wir sollten uns jeweils eine Vor- und eine Hauptspeise aussuchen und diese dann selbst zubereiten. Auf meinem Menü standen Lok Lak (ein typisches kambodschanisches Gericht) und vegetarische Frühlingsrollen, Anja hat sich an Amok (weiteres typisches Gericht) und einem Banana-Flower-Salad probiert. Das Ergebnis konnte sich durchaus sehen lassen:

Wie ihr seht, hätte man von den Portionen eine ganze kambodschanische Großfamilie ernähren können. Wir mussten irgendwann kapitulieren und uns mit unseren Mitnehmbeutelchen Richtung Hostel rollen – es hat einfach nix mehr reingepasst ….. Einschub Ende. J

Nach einer wundervollen Woche in Siem Reap sind wir schließlich in den Süden gefahren, um mal wieder ein wenig Meerluft um die Nase gewedelt zu bekommen. Unser Ziel: Sihanoukville. Die Fahrt dorthin haben wir in einem Nachtbus mit Schlafsitzen verbracht, was an sich äußert angenehm sein könnte.

Man sollte aber nicht die Straßenverhältnisse hier unterschätzen – man fährt teilweise auf den reinsten Buckelpisten umher. Ich hab daher versucht, meine Zähne so weit wie möglich außer Reichweite des metallenen Bettstange, um nicht am nächsten Morgen zahnlos durch die Welt zu rennen. Nach der Hälfte der Strecke wurden die Straßenverhältnisse etwas besser und so konnte ich sogar ein wenig schlafen. Trotzdem kamen wir am nächsten Morgen völlig fertig in Sihanoukville an. Zusammen mit Louise, einer Französin, die wir (wie sollte es auch anders sein) auf der Busfahrt kennengelernt hatten, sind wir auf Zimmersuche gegangen und relativ schnell fündig geworden: ein riesen Zimmer für jeweils 4$ pro Nacht.

Hier ließ es sich gut aushalten. Sihanoukville an sich war nichts Besonderes. Es gab einen netten Strand, schöne Inseln in der näheren Umgebung und einige tolle abendliche Lokalitäten. Wir haben die Zeit mit intensivem Nix-Tun verbracht. Sonnen, lesen, planschen und wieder sonnen. Für die abendlichen Aktivitäten hab ich eine tolle Bar/Hostelanlage namens „Utopia“ für mich entdeckt, die ich gleich ins Herz geschlossen habe:

Rein optisch war der Name Programm. Hier wurde abends ordentlich laut Dubstep gespielt mit richtig Rumms, eine Wohltat für die David Ghuetta und Pitbull geplagten Ohren.

Da wir unsere Zeit nicht nur an ein und demselben Strand verbringen wollten, haben wir an unserem vorletzten Tag einen Inselhopping-Ausflug unternommen. Der war sehr sehr toll. Hier ein paar Impressionen:


Wir waren also schnorcheln (ich zum ersten Mal, hatte ständig Wasser in der Maske!!), haben an einem verlassenen Strand im Wasser geplanscht und ein leckeres Barbeque genossen. Unsere bunte Ausflugsgruppe wurde von einer Gruppe Einheimischer abgerundet. Das Völkchen schien es aber auf keine der angebotenen Aktivitäten abgesehen zu haben. Die Mädels waren alle geschminkt, als müssten sie gleich auf die nächste Theaterbühne und statt Schnorcheln war Nachschminken angesagt und kurz vorm Strand musste natürlich erst mal das Outfit gewechselt werden. Die Leutchen waren echt die Perfektion in Reinform. Ich konnte das nicht so gut nachvollziehen, aber die werden schon ihre Gründe gehabt haben, einen 10$ Trip zu buchen, ohne irgendetwas davon wahrzunehmen. Vielleicht reichte ihnen ja schon der Anblick des Wassers als Erfrischung.

Nach unserem Inselhopping Tripp ging es mit Barhopping weiter. Ich muss sagen, dass es sich bei 0.50$ pro Bier und 2,50$ pro Cocktail echt gut durch die Gegend hoppen lässt. J Der nächste Tag wurde nochmal an unserem Standardstrand verbracht und nach einem abendlichen letzten Drink im liebgewonnenen Utopia ging es am nächsten Morgen frühzeitig weiter, nach Kampot, einem Ort, der uns von anderen Reisenden ans Herz gelegt wurde. Kampot ist ein sehr angenehmes Fleckchen Erde mit teilweise sehr schöner Architektur. Am ersten Tag haben wir uns mal wieder Räder ausgeliehen, diesmal deutlich bessere als in Siem Reap. Mit denen hat das Radeln Spaß gemacht und ich kam mir so vor, als würde ich durch Babelsberg preschen. Die ärmlichen Häuschen am Straßenrand und die vereinzelt grasenden Kühe haben mich aber schnell wieder in die Gegenwart zurückgeholt.


Zwischendurch haben wir in ner netten Hotelanlage was getrunken und abends den Sonnenuntergang in Gesellschaft der Kampot-Jugend genossen.


An unserem nächsten Tag in Kampot wollten wir den nahegelegenen Bokor-Nationalpark unter die Lupe nehmen. Eine geführte Tour sollte es sein, die Trekking, eine Wasserfallbesichtigung und die Besichtigung einer Bergstation zum Inhalt haben sollte. Ich sag euch: die ganze Aktion war von vorne bis hinten ein Reinfall. Zunächst einmal ging es damit los, dass unser Bus morgens ewig nicht aufgetaucht ist. An und für sich okay, wir sind ja in Asien. Als wir jedoch endlich abgeholt wurden, stellte sich nach kurzer Zeit raus, dass wir im falschen saßen. Man schmiss uns einfach raus und wir mussten auf unseren eigentlichen Bus warten. Der brachte uns Richtung Nationalpark. Dort angekommen gab es nicht wirklich was zu sehen. Wir waren uns zwar darüber im Klaren darüber, dass die Bergstation verlassen sein würde, dass wir aber nur ein paar einsturzgefährdete Gebäude mit und wenig attraktive Ruinen vorfinden würden, damit haben wir nicht gerechnet. Diese befanden sich in großen Abständen zueinander, so dass wir alle 5 Minuten aus unseren Minibus ausgestiegen sind, um dann zu hören „Once, there was a post - office till THE COMPANY decided to destroy it“ Irgendwie schien der ganze Park von dieser mystischen „Company“ befallen worden zu sein. Ihr wurde der Bau eines riesigen Restaurants und eines Hotels, die Rodung von Waldflächen, der Abriss der alten Gebäude sowie die Vertreibung sämtlicher Tierarten zugeschrieben. Wir haben uns also immer einen Hauch von Nichts angesehen und wussten nicht so recht wo hin mit uns. Anstatt wildlebender Tiere beguckten wir ein Poster mit den früher im Bokor-Park lebenden Tieren. Trekking fiel auch ganz spontan flach, weil es angeblich seit einer Woche nicht mehr gestattet ist. Aha. Und das wusste der Tourveranstalter nicht vorher? Wir fühlten uns ziemlich verarscht, war es doch das Trekking gewesen, auf das wir uns neben dem Wasserfall am meisten gefreut hatten. Zumindest letzterer war sehr toll, sodass sich unsere Laune doch noch etwas besserte zum Ende hin. Neben den Wasserfallbildern noch ein paar weitere Impressionen:

Abends sind wir dann noch mit einem Boot nen Fluss entlanggeschippert und am nächsten Tag ging es auch schon wieder weiter: auf nach Phnom Penh. Hier sind wir seit einem Tag. Dafür, dass jeder in den schlechtesten Tönen über diese Stadt gesprochen hat und wir uns dementsprechend auf das Schlimmste gefasst gemacht haben, ist die Stadt gar nicht mal so übel. Im Gegenteil. Eigentlich gefällt es uns hier sogar ganz gut.

Heute haben wir uns die sogenannten Killing Fields und das Museum S-21 angesehen, ich bediene mich mal wieder kurz Wikipedia, da die das sehr gut auf den Punkt bringen: Die Killing Fields sind eine Reihe von etwas mehr als dreihundert Stätten in Kambodscha, an denen bei politisch motivierten Massenmorden konservativen Schätzungen nach 200.000 Menschen umgebracht wurden. Die bekannteste Stätte der Killing Fields befindet sich in Choeung Ek, in der Nähe von Phnom Penh, auf der bis zu 17.000 Menschen umgebracht wurden. Besonders einprägend dabei sind die Bilder tausender Totenschädel und anderer menschlicher Überreste, welche die Felder Kambodschas übersäten. Um Munition zu sparen, wurden die Todgeweihten in diesem Exekutionszentrum nicht erschossen, sondern mit Eisenstangen, Äxten oder ähnlichem erschlagen. Kinder wurden gegen Bäume geschlagen, bis sie tot waren. Die Toten wurden in Massengräbern verscharrt, die auch heute noch deutlich sichtbar auf dem Gelände vorhanden sind.Der größte Teil der ermordeten Menschen stammt vermutlich aus dem Gefängnis Tuol-Sleng (S-21) in Phnom Penh, das als Folter- und Verhörzentrum diente. Davor war es ein Gymnasium, heute ist es ein Museum.

Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie uns beim Besuch dieser zwei Stätten zumute gewesen ist, ich verzichte hier auf Einzelheiten.

Morgen werden wir uns den Royal Palace ansehen. Das heißt, viel Prunk und Kitsch. Das klingt gemein und ich will mich nicht über die heiligen Stätten der Asiaten lustig machen, aber wenn einem sowas begegnet, lässt sich einfach kein anderes Wort als Kitsch finden:

Am Samstag werden wir uns auf den Weg nach Vietnam begeben. Erster Anlaufpunkt: Ho Chi Minh City (veraltet: Saigon). Hier treffen wir eine Kommilitonin aus Magdeburg, die auch gerade Südostasien bereist. Ich hoffe, wir werden nicht von verrückten Moto-Fahrern umgenietet. Es ist scheinbar alles andere als einfach, in vietnamesischen Großstädten eine Straße zu überqueren.

Das müsst ihr euch mal anschauen: http://www.youtube.com/watch?v=LlyOom0bwwY

In diesem Sinne verabschiede ich mich für heute und lasse wieder etwas von mir hören, sobald ich in HCMC bin.

Lasst euch weiterhin Stollen und Glühwein schmecken. Hier ist es nach wie vor unglaublich heiß und der Gedanke an jegliche weihnachtlichen Gebräuche wirkt völlig absurd.

Ich drücke euch aus der Ferne.

Freitag, 2. Dezember 2011

Bilder rund um Angkor

wie versprochen ein paar Impressionen rund um die Tempel.






Die kommenden 3 Fotos sind am ersten Abend entstanden. Wir wollten idyllisch den Sonnenuntergang betrachten, waren dabei aber wie ihr gleich seht, nicht ganz alleine.



So ähnlich sieht es hier oft aus, man muss sich also sehr geschickt darin anstellen, die Sehenswürdigkeit so verlassen wie möglich vor die Linse zu kriegen. Ganz hartnäckig stellen sich bei dieser Aufgabe die Chinesen und natürlich die Japaner in den Weg. Natürlich nie mit etwas schlechterem als ner Digitalen Spiegelreflexkamera. :)

Die nächsten Fotos sind an unserem 2. Tag in den Tempeln entstanden. Für diese Aufnahme, einem Sonnenaufgang über Angkor Wat, mussten wir uns bereits um 4:15 ausm Bett quälen, um rechtzeitig dort zu sein. Natürlich war die obligatorische Touri-Traube hier noch sehr viel größer und es war ein Kampf um jeden Bildzentimeter mehr.

Nach dem Sonnenaufgang sollte es weitergehen zu den anderen Tempeln, allerdings wurden wir erstmal ein wenig aufgehalten, da ausgerechnet an diesem Tag ein Halbmarathon stattfandet. Den Start wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen :



Hab auch gleich nochn paar neue Freunde gefunden, nachdem ich mich angeboten hatte, von der Bande ein Foto zu schießen:


Ist man an den Tempelanlagen angekommen, empfangen einen meist lauter kleine Jungen und Mädchen, die einem "for 1$" alles verkaufen wollen, was nur geht: Literatur über Angkor, Armbänder, Getränke, kitschige Kühlschrankmagneten usw. Es tut einem jedes Mal das Herz weh, die kleinen Persönchen stehen zu lassen, ohne etwas gekauft zu haben.









Natürlich machen auch vor Angkor die Affen keinen Halt. Seit Anjas Affenbiss machen wir aber einen kleinen Bogen um diese unschuldig guckenden Kumpel.



morgen werden wir Siem Reap und die Tempel ein wenig mit dem Rad erkunden. Vielleicht entstehen dabei noch ein paar Fotos.

Ich wünsche euch allen einen schönen und besinnlichen 2. Advent mit leckeren Plätzchen und Stollen. Schickt mal nen Glühwein rüber, im Austausch gibts ein paar Plusgrade!

Angkor, what?

Vor zwei Tagen hieß es für uns „Bye bye Touri-Thailand“ und „Hallo Kambodscha“. Da mein letzter Blogeintrag noch aus Phuket stammt und wir seitdem schon wieder so viel erlebt haben, werde ich an dieser Stelle ein bisschen ausholen und euch von unserer letzten Woche in Thailand berichten.

Zur Erinnerung: Die letzte Nacht in Phuket haben Anja und ich in der letzten Absteige verbracht. Für nur 2€ pro Person waren wir dabei und haben daher auch keinen Luxus erwartet. Wir hätten auf dem Boden schlafen können, so hart und durchgelegen waren die Matratzen. Mit lädiertem Rücken und hundemüde haben wir uns am nächsten Morgen in aller Frühe ausm Bett gepellt, um rechtzeitig in Richtung Koh Pha Ngan aufzubrechen, eine Insel südöstlich von Thailand. Da Phuket im Südwesten liegt, mussten wir mit dem Bus das Festland überqueren und dann ab auf die Fähre. Bis zur Fähre war alles super. Bequemer Bus, schöner grüner Ausblick – alles cool. Dann gings auf die Fähre – weniger cool. Waren wir sonst in großen Booten unterwegs, sahen wir uns diesmal einer kleinen Nussschale entgegen, die schön im Takt der Wellen durch die Gegend geschaukelt ist. Mein Magen hat erst mal einen imaginären Angstschlenker unternommen, bevor er letztendlich nach 1 ½ Stunden keine Lust mehr auf das ganze Hin und Her hatte und mich Richtung Klo gezogen hat. Da war ich dann noch 1-2 weitere Male, bis endlich Land in Sicht war.

Wir sind erst im Dunkeln auf Koh Pha Ngan angekommen, mal wieder sehr viel später als geplant. Aber daran haben wir uns mittlerweile schon gewöhnt. Dennoch war eigentlich der Plan, im Hellen in aller Ruhe nach ner Unterkunft zu suchen. Daraus is nichts geworden, wir haben gleich die erstbeste genommen, eine Hippiekommune vom allerfeinsten. Hier haben sich Dauerdrogenkalle und Austeigerpeter die Klinke in die Hand gegeben und die Gespräche sind nach kurzer Zeit immer wieder zum Dauerbrenner „Drogen“ zurückgekehrt. Ist zwar nicht so meine Welt, aber dennoch: die Stimmung war hier wie nicht anders zu erwarten sehr entspannt und die Leute angenehm. Unser Bungalow lag direkt am Strand, mit der obligatorischen Hängematte und Palme vor der Tür.




Auch wenn wir uns in dieser heilen Hippiewelt gut aufgenommen gefühlt haben, sind wir dennoch am nächsten Morgen auf Empfehlung vom Süden der Insel in den Norden getuckert, da es dort sehr viel schöner sein sollte, was die Strände angeht. Wir wurden von Achim, einem deutschen Auswanderer, der auf Koh Pha Ngan nun sein Glück gefunden hat, abgeholt und zu dessen Bungalowanlage kutschiert. Die Bungalows hatten Hanglage und boten uns einen wunderschönen Blick aufs Meer. Einziges Manko: die Bungalows waren größtenteils offen, sodass sämtliche Mücken und Geckos leichtes Spiel hatten und sich bei uns selbst einluden. Ich hab damit jetzt nicht so ein großes Problem, Anja allerdings hatte mit dem ganzen Viehzeug ziemlich zu kämpfen und so blieben in Anbetracht eines fast 30 Zentimeter großen Geckos im Bad Panikattacken nicht aus. Aus diesem Grund mussten wir unseren neugewonnenen Kumpel Achim nach schon einer Nacht wieder verlassen und uns nach einer geschlosseneren Unterkunft umsehen. Die war schnell gefunden und hat auch nur 1€ mehr gekostet. Wir waren nun noch näher am Strand und noch dazu in einem schicken Ressort.



Es hat uns so gut gefallen, dass ich mich dazu entschloss, hier meinen Geburtstag zu verbringen. Geplant, getan. Eine Nacht vorher hatte ich allerdings mein erstes großes Tief. In dem Ressort war nämlich so rein gar nix los. Das Restaurant wurde schon 21Uhr geschlossen, das Wifi gekappt und es gab keine Möglichkeit, bezahlbaren leckeren Alkohol zum Anstoßen aufzutreiben. Keine lieben Eltern vor Ort und auch viele andere liebe Menschen meilenweit entfernt. Anja hat jedoch um 0Uhr ein kleines Päckchen meiner Eltern hervorgezaubert, welches meine Laune um 180° gedreht hat.



Vielen vielen lieben Dank nochmal dafür. Hab mich gefreut wie ein Schneekönig. Zu meinem Geburtstag hab ich mir dann mal ordentlich was gegönnt und mir eine anständige Massage genehmigt. War das herrlich… Anschließend wollten wir einen auf der Landkarte ausgewiesenen Wasserfall besuchen. Trotz Regenzeit empfing uns allerdings nur ein lächerlich kleines Bächlein.


War aber nicht weiter schlimm, hier wird uns schließlich noch so manch anderer Wasserfall begegnen.
Da ich nicht auch noch in aller Stille aus meinem Geburtstag rausfeiern wollte und wir am nächsten Tag sowieso unsere Fähre Richtung Festland kriegen mussten, sind Anja und ich wieder in den Süden gefahren und haben uns ein Hostel in dem Ort am Pier gesucht. Hier hatte uns nach 3 eremitenhaften Tagen die Zivilisation wieder und endlich konnten wir ordentlich anstoßen und nachmittags noch n stück geburtstagskuchen verhaften.



Zuviel Alkohol wollte ich dennoch nicht trinken, da mich mein Magen an die Fährfahrt am folgenden Tag erinnerte.
Die verlief aber glücklicherweise sehr viel entspannter als die erste. Die Sonne strahlte vom Himmel und das Wasser war angenehm ruhig. Außerdem trafen wir bereits beim Warten auf die Fähre sehr nette Menschen – SÜDAFRIKANER! Da war ich natürlich gleich wieder mit meinem Kopf in Kapstadt und es wurde munter drauf los gequasselt. Auf der Fähre komplettierte dann noch ein sehr sympathischer Hamburger die Gesprächsrunde, sodass ich mich sehr wohl fühlte und kein Gedanken an mögliche Brechattacken verschwendete. Wir hätten ruhig noch ein wenig länger auf der Fähre bleiben können, da sich nach der Fährfahrt die Wege schon wieder trennten. Das ist irgendwie schade, denn bisher haben wir meist nur auf Reisen nette Menschen kennengelernt. Da die meisten Unterkünfte Gasthäuser sind, gab es bisher noch keine richtigen gemeinschaftlichen Aufenthaltsräume, in denen man gleichgesinnte Rucksacktouristen hätte kennenlernen können. Es dominieren Pärchen und Pauschaltouristen das Bild. Auf der Straße trifft man zwar öfter auch mal auf nett aussehende Leute, aber die will man dann ja auch nicht gleich anquasseln.
Jedenfalls zog es unsere Fährbekanntschaften in die unterschiedlichsten Richtungen und uns nach Bangkok. Mal wieder mit einem Nachtbus. Zum Glück diesmal ohne Zwischenfälle und fehlendes Gepäck. 5Uhr morgens wurden wir nahe der Khao San Road rausgeschmissen. 6Uhr durften wir in unser Hostel einchecken und haben dort den Schlaf der Gerechten getätigt. Mittags gings dann mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Busbahnhof, um die Weiterfahrt nach Kambodscha zu sichern. Für wenig Geld gabs ein Ticket, dass uns 2 Tage später zum Grenzübergang Poipet bringen sollte. Den letzten Tag in Bangkok haben wir mit einer angemessenen Shoppingrunde verbracht, die ähnlich wie in Deutschland abgelaufen ist. Hochmotiviert hab ich mich ins Getümmel gestürzt und frustriert kam ich wieder raus. Die Händler werben hier immer mit „One Size, one size“. Das is ja alles schön und gut, aber wie soll mir bitte ein Kleid passen, das eigentlich eher für Menschen von Anjas Statur geschneidert wurde? Da ich also keine Lust auf Presswurst-Optik hatte und den Gummizug der Klamotten nicht überstrapazieren wollte, blieb der Geldbeutel verschont und mein Geld wurde erst in Kambodscha wieder in Umlauf gebracht. Die letzten paar Baht gingen jedoch noch für ein Erlebnis der besonderen Art drauf: den Baiyoke Sky Tower – das höchste Gebäude Thailands und mit 84 Stockwerken eines der höchsten Hotelgebäude der Welt. Hier lag uns ganz Bangkok zu Füßen und mit so viel Abstand betrachtet war einem die Stadt sogar ein wenig sympathisch:
















Dieser Ausflug hat unsere Zeit in Thailand mit einem sehr schönen Erlebnis enden lassen.
Frohen Mutes und mit unheimlicher Vorfreude haben wir am nächsten Morgen Abschied von den Thais genommen und sind am Busbahnhof in einen unglaublich tollen Bus geklettert, der mit breiten Sitzen und einer kleinen Verpflegung sofort bei uns punkten konnte.

Am Grenzübergang in Kambodscha lief alles glatt und nach kurzer Zeit waren wir im „Kingdom of Cambodia“. Vom Grenzübergang ging es mit einem Shuttlebus zum Busbahnhof und von dort dann nach Siem Reap, unserem derzeitigen Aufenthaltspunkt. Auf Empfehlung unseres netten Kanadiers hatten wir bereits im Vorfeld ein Hostelzimmer gebucht und es hat sich als ein echter Glücksgriff erwiesen.

Zwar sind wir noch nicht lange in Siem Reap, es gefällt uns allerdings schon richtig gut. Die Stadt versprüht einen unglaublichen Charme, der mich schon jetzt in seinen Bann gezogen hat. Die Menschen hier sind so unglaublich freundlich und liebenswürdig trotz der Armut, von der sie umgeben sind. Kambodscha gilt als eines der ärmsten Länder der Welt und blickt auf eine grausame Vergangenheit zurück. Von 1975-1979 nahmen die Roten Khmer das Land ein und lösten eine der weltweit blutigsten und grausamsten Revolutionen aus. Wikipedia sagt dazu Folgendes :
„ Das Regime zerschlug die bestehenden Gesellschaftsstrukturen, um die Voraussetzungen für eine vorgeblich uniforme und egalitäre Gesellschaft nach maoistischem Muster zu schaffen. Die westliche Welt hat dieses rigorose Regime bald als "Steinzeit-Kommunismus" bezeichnet. Phnom Penh wurde innerhalb von 24 Stunden nahezu komplett entvölkert. Hunger und Krankheiten rafften große Teile der Bevölkerung dahin. Man zwang die Menschen aus den Städten aufs Land, um Kooperativen für Reisanbau zu bilden. Insgesamt forderte die Regierung Pol Pots zwischen 1,4 und 2,2 Millionen Opfer, vor allem Beamte, Intellektuelle und buddhistische Mönche, die in etwa 100 Vernichtungslagern gefoltert und hingerichtet wurden, weil sie Widerstand geleistet hatten oder einfach der „Bourgeoisie“ angehörten, wobei es oft ausreichte, lesen zu können oder eine Fremdsprache zu sprechen. Einfache Bürger starben auf dem Land an Entkräftung und Krankheiten als Folge der harten Märsche und Arbeit.“…..
Sicherlich werden wir noch mehr von der Armut zu sehen bekommen, wenn wir uns in ländlichere Gebiete begeben. Schon in Siem Reap fällt es uns sehr schwer, an den Menschen, die einem etwas anbieten wollen, achtlos vorbeizugehen. Vor allem, wenn diese Menschen kleine Kinder sind. So hat uns unsere Gutmütigkeit schon manchen Dollar ausgeben lassen und uns unter anderem dieses Erlebnis beschert:

Solche Fisch-Doktoren, die die Füße reinigen und abgestorbene Hautpartikel entfernen, gibt es zwar an jeder Ecke, bisher konnten wir aber ganz gut widerstehen. Gestern allerdings haben uns zwei kleine Jungen weich werden lassen. Also hieß es rein ins kühle Nass. Ich hab mich erst mal vor Lachen nicht mehr eingekriegt, da ich wahnsinnig kitzelig bin und so n Fischmund am Fuß sich sehr ominös anfühlt.






Aber gut, wieder um eine Erfahrung reicher. Abends haben wir uns in eine der vielen Bars gesetzt und für schlappe 1,50$ Cocktails getrunken. Anschließend haben wir noch den Partyfinger in die Luft gestreckt und in einer Bar mit dem ansprechenden Namen "Angkor what?" die Puddingärmchen zu Elektro/Indie/Partyschranzmusik wackeln lassen.






Allerdings ganz gesittet nur bis kurz nach Mitternacht, da wir für den nächsten, also quasi den heutigen Tag, fit sein wollten.

Heute stand nämlich die beeindruckende Tempelanlage Angkor auf dem Programm. Mehr dazu, insbesondere viele Bildchen, gibts, wenn ich mal wieder ein schnelleres Internet habe.

In diesem Sinne werde ich versuchen, bis zum nächsten Blog etwas weniger Zeit vergehen zu lassen und ordentlich was zu erleben. :)