Freitag, 6. Januar 2012

Von süßem Rum, ner Menge Regen und radikalen Vietnamesen

Zunächst einmal wünsche ich euch allen ein frohes neues Jahr. Ich hoffe, ihr seid gut reingerutscht und habt es ordentlich krachen lassen.

Anja und ich waren Silvester ja in Hue. Wie stellt man sich wohl Silvester in einem warmen Land vor? Also ich für meinen Teil habe mich schon bildlich mit einem Cocktail in der Hand am Meer sitzend gesehen, umgeben von vielen anderen Reisenden, die dann irgendwann irgendwo tanzen gehen und einen in der Krone haben. Ein tanzendes Silvester-Partykollektiv. Diese Idee fand ich klasse. Hue schien von meiner Idee nicht ganz so begeistert gewesen zu sein, da es uns am 31.12 Regen bescherte. Nix als Regen. Ach doch. Dazu noch Kälte. Also wieder raus mit allen dicken Sachen, die der Rucksack zu bieten hatte.



Der Morgen des 31ten begann zunächst einmal damit, dass wir unser für ursprünglich 2 Tage gebuchtes Hotel nach nur einem schon wieder verließen. Der Grund: Schimmel an den Wänden. Und das nicht zu knapp. Wir haben es mit Stoßlüftung versucht, aber der Geruch blieb hartnäckig und die großen Flecken überall konnte man eh nicht wegreden. Da Schimmel bekanntermaßen nicht gerade gesund ist, sind wir also am nächsten Tag in ein Backpacker-Mehrbettzimmer ganz in der Nähe umgezogen. Hier war alles schimmelfrei und sehr viel angenehmer. Und das Beste: es gab endlich mal einen richtigen Aufenthaltsraum. Hurra !!! Dort haben wir dann auch Nacho Muchacho, unseren Spanier, wiedergetroffen, der noch einen Tag länger als wir in Hoi An geblieben ist. Der Arme hat sich auf der Busfahrt so derbe erkältet, dass er abends Fieber bekam und einen leicht kläglichen Anblick bot.

Trotzdem ist er abends mit uns in den Aufenthaltsraum des Hostels gekommen, um in der schon beachtlichen Menge ein wenig den eigenen Alkoholpegel nach oben zu befördern. Ich muss sagen, dass das ganz gut funktioniert hat. Ich habe hier nämlich meinen Lieblingsalkohol gefunden: vietnamesischen Rum. Im Gegensatz zum handelsüblichen Rum in Deutschland ist dieser eher süß und riecht ein bisschen nach Gummibärchen. Und so schmeckt er auch. Bewaffnet mit einer solchen Flasche und ein paar Cola Dosen habe ich es also relativ schnell geschafft, gut dabei zu sein. :) Trotzdem war Silvester an sich jetzt nicht sooo spannend. Ich hatte das Gefühl, dass jeder im Hostel nur ein Ziel hatte: bis 0 Uhr jemanden abzuschleppen und dann den ganzen Abend an diesem jemand zu klammern. Mir war das aber irgendwie alles zu doof und so kam ich mir relativ alleine inmitten der Massen vor. Nacho ist halb eins ins Bett verschwunden, Anja hab ich irgendwann in dem ganzen Trubel auch verloren und so bin ich gegen 3Uhr in mein Bett geplumpst. Silvester ist wahrscheinlich einfach nicht dazu da, gut zu sein. Zumindest nicht für mich. Also Haken hinter und weiter geht’s ins neue Jahr. Am 01.01 mussten wir schon 11Uhr auschecken. Auch wenn ich von meinem Kumpel dem Rum noch ganz mitgenommen war, sind wir trotzdem in den Stadtkern Hue´s und haben ein paar Fotos im Regen geschossen.

Nachdem es uns zu kalt wurde, sind wir wieder zurück ins Hostel. Dort sollte abends unser Bus nach Hanoi fahren. Die Busfahrt war nicht gerade angenehm. Die Betten waren winzig (selbst für Anja!!!) und ich wusste einfach nicht, wohin mit de Beene. Hab ganz akrobatisch versucht, eine geeignete Schlafposition zu finden, aber so richtig wollte alles nix helfen. Entweder ist der Fuß eingeschlafen oder es war einfach gänzlich unbequem. Gegen 6Uhr waren wir schließlich in Hanoi. Wir wurden, wie so oft, im Nirgendwo rausgeschmissen. Im Vietnam-Style haben wir Motorrad-Taxis genommen und uns zum Hostel kutschieren lassen. Hilfe war das eisig.

Ich hatte mich dummerweise in Koh Phi Phi von meinem festen Schuhwerk verabschiedet, weil es mir etwas unsinnig und definitiv zu schwer erschien. Diese Entscheidung habe ich auf der frühmorgendlichen Fahrt durch Hanoi bitter bereut. Meine Füße waren richtig kleine Eisblöcke.
Mit diesen Eisblöcken haben wir jedenfalls eingecheckt. Wieder in ein Mehrbettzimmer. Nachdem wir den Schlaf der Gerechten vollzogen hatten, sind wir durch Hanoi gewatschelt. Wieder bei Regen. Erste Amtshandlung: feste Schuhe kaufen. Für Anja kein Problem, für mich schon. Die vietnamesischen Frauen haben nämlich Liliputaner-Füße und da kommt jemand mit Schuhgröße 41 ziemlich riesenhaft daher. Mir blieb also nix anderes übrig, als bei den Männerschuhen zu gucken. Letztendlich hab ich ein paar schwarze Chucks gefunden, die wenigstens gepasst haben. Mit warmen Füßen haben wir eine im Lonely-Planet empfohlene „Walking Tour“ gemacht. Irgendwie war die aber relativ öde, da es nicht wirklich etwas zu sehen gab. Nur hin und wieder eine kleine Sehenswürdigkeit.





Da wir in Hanoi Dauerregen hatten und die Temperaturen zwischenzeitlich bei 10°C lagen (selbst in Deutschland war es wärmer), waren Anja und ich nicht so recht in Sightseeinglaune. Eine Sehenswürdigkeit wollten wir uns dennoch nicht entgehen lassen: die Halong-Bucht. Wir haben also eine Tour für den folgenden Tag gebucht. Mit dem Bus ging es zunächst ca 4h Richtung Halong City und von dort auf ein Boot. Sicher hätte die Bucht bei guten Wetter noch sehr viel schöner ausgesehen, Regen und Nebel haben jedoch dafür gesorgt, dass der Bucht etwas regelrecht mysthisches verliehen wurde:
Ich konnt mich gar nicht richtig satt sehen und hätte ewig da rumschippern können. Irgendwann haben wir eine der kleinen Inseln angesteuert und eine riesige Höhle besichtigt. Das war Wahnsinn. Sowas hatte ich noch nie gesehen.

Völlig beeindruckt sind wir letztendlich wieder zurück nach Hanoi kutschiert worden. Mit tollen Bildern im Kopf und auf der Kamera.





Nette Leute hatten wir nebenbei auch kennengelernt. Ein sympathisches Pärchen aus Australien und zwei lässige Belgier. Wie so oft haben sich nach dem Trip allerdings unsere Wege getrennt.

Bisher war unser einziger beständiger Fels in der Brandung Nacho, was höchstwahrscheinlich der Tatsache geschuldet ist, dass wir die gleiche Route haben. Auch in Hanoi haben wir ihn am nächsten Tag wiedergetroffen. Wir waren zu dritt Essen, haben anschließend bei einem Pub Quiz in unserem Hostel teilgenommen und sind anschließend in großer Runde tanzen gegangen. Die Musik war zwar nicht so dolle, aber ich hatte trotzdem Spaß (Verweis auf den süßen Rum! ^^). Am nächsten Morgen hieß es wiedermal 11Uhr auschecken. Wir hatten nämlich am Vortag ein Visum für Laos besorgt und sollten schon am Abend dorthin reisen. Eigentlich wollten wir vor Laos noch das Hochland von Vietnam besichtigen, aber aufgrund des schlechten Wetters haben wir unsere Pläne geändert.

Nachdem wir den Tag ein wenig rumgedödelt haben, wurden wir 17Uhr am Hostel abgeholt. Von dort ging es mit einem Minibus zu unserem Hauptbus. Was ich vorher noch erwähnen sollte: Wir hatten eine 24 Stunden (!!!!!!!!!) Fahrt vor uns. Zwar hätten wir auch locker für 140$ eine Stunde lang fliegen können, aber da das Geld bei uns nicht so locker sitzt, haben wir uns für die langwierigere 25$-Variante entschieden. Im Nachhinein betrachtet weiß ich nicht, ob ich nicht doch lieber den Flieger genommen hätte. Die Busfahrt war grauenvoll. Im Vorfeld wurden wir bereits von verschiedenen Seiten darüber informiert, dass die Fahrt von Hanoi nach Laos grauenhaft sein soll. So halten manche Busse mitten am Arsch der Welt und verlangen auf einmal höhere Preise für das Ticket oder wieder andere wurden schrecklich vom vietnamesischen Buspersonal behandelt. Ersteres ist uns nicht passiert, zweiteres schon. Bevor wir den Bus bestiegen, wurden willkürlich Tickets mit Sitzplätzen verteilt. Auf die Einhaltung dieser Plätze wurde bisher nie so richtig Wert gelegt. Jedenfalls haben sich manche einfach irgendeinen Sitz gesucht, wieder andere wurden hektisch zu Sitzen gescheucht, die aber auch nicht ihren Sitzplätzen entsprachen (Anja und ich zum Beispiel). Eigentlich war jeder zufrieden und es hätte losgehen können. Aber nee, plötzlich soll jeder nochmal sein Ticket rausholen und sich woanders hin verfrachten lassen. Dabei wurde auf gute Manieren keinen Wert gelegt. Wozu auch? Man kann ja schließlich Brüllen und die Touristen hauen. Klappt auch. In diesem Moment hätte ich den ganzen dummen vietnamesischen Fratzen echt eine donnern können. Da wird man rumgeschubst wie der letzte Depp und kann nix dagegen machen. Natürlich gibt es auch nette Vietnamesen, aber ich muss doch sagen, dass uns hier auch viele begegnet sind, die sehr falsch wirken und sehr auf den eigenen Vorteil bedacht. Das drückt sich auf vielerlei Art aus: ob einem konsequent das falsche Rückgeld rausgegeben wird, die Vietnamesen IMMER zuerst dran kommen oder man wie im Bus einfach angeschnauzt wird…. Freundlich ist anders. Die Freude auf Laos ist in diesen Minuten im Bus jedenfalls ins Unermessliche gestiegen. Dort sollen die Leute, ähnlich wie in Kambodscha, sehr freundlich und vor allem ehrlich sein.

Ob dem wirklich so ist, kann ich euch bald berichten. Vorerst aber zurück zum Bus. Unser Bus (und auch die meisten anderen Nachtbusse) sind doppelstockbettartig aufgebaut und anfangs war ich im oberen Bereich. Nachdem ich rabiat auf einen anderen Platz verwiesen wurde (WIEDER NICHT DER, DER AUF DEM TICKET STAND), lag ich plötzlich direkt neben dem Klo mit ner Japanerin und ner Finnin neben mir. Wir hatten den engsten Platz im ganzen Bus, da unter uns noch Stauraum war. Wir konnten also nicht wie alle anderen aufrecht sitzen und das Fenster war so mini, dass an schöne Aussicht gar nicht zu denken war.

Ich hab mir also mal wieder einen abgekrepelt, um eine gute Schlafposition zu finden. Irgendwann hat die Müdigkeit gesiegt und ich hab tatsächlich eine Weile geratzt. Morgens um 7Uhr sind wir schließlich zur Grenze befördert worden, wo wir geschlagene 2 ½ Stunden in der Kälte rumgestanden haben. Danach ging es weiter. Kurz hinter der Grenze ballerte uns auf einmal die Sonne entgegen, als würde es eine unsichtbare Wetterlinie zwischen Laos und Vietnam geben. Mit der zunehmenden Hitze und der durchgängigen Benutzung der Toilette stieg proportional der Gestank an. Hätte mich gerne innerlich übergeben, so eklig war der Geruch teilweise.

Ich glaube ich war noch nie in meinem Leben so glücklich, irgendwo anzukommen. Zudem wirkte Vientiane auf den ersten Blick sehr angenehm. Viele kleine Cafés, lauter sympathisch aussehende Menschen und …so ein Mist aber auch… lauter tolle Shoppingmöglichkeiten. Wir haben ein halbwegs gutes Hostel gefunden, das wir uns mit Maria, einer Spanierin teilen. Kennengelernt haben wir sie auf der Busfahrt. Nachdem wir noch ein wenig durch die Gegend gelaufen sind, einen super günstigen Inder gefunden haben und mit einer weiteren Busbekanntschaft einen trinken waren, ging es abends hundemüde ins Bette. Am nächsten Tag, also quasi heute, haben wir malwieder Sightseeing betrieben. Bei Sonnenschein war das so viel angenehmer als die letzten Tage. :) (Bilder folgen in Kürze)


Wir wissen noch nicht genau, was unser nächstes Ziel sein wird, aber mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir zuerst runter in den Süden von Laos, um dann von dort bis in den Norden und schließlich wieder nach Thailand zu reisen. Ich freue mich wahnsinnig auf den kommenden und auch leider schon letzten Monat hier, denn ich bin mir sicher, dass wir eine wundervolle Zeit haben werden. Ich berichte dann hin und wieder.

Seid ganz herzlich gedrückt!

Bis zum nächsten Mal.

Kurzes Update: die dicken Klamotten haben nix genützt, ich hab mir trotzdem ne olle Erkältung eingefangen.

Freitag, 30. Dezember 2011

auf auf ins neue Jahr

Nach drei schönen Tagen in Phnom Penh ging es für Anja und mich weiter in Land Numero 3 – nach Vietnam. Es ist echt Wahnsinn, wie schnell die Zeit hier vergeht. Ich hab das Gefühl, dass sie ständig an mir vorbei rennt und dabei gehässig grinst. Schon am 9.Februar geht unser Flieger nach Neuseeland und bis dahin wartet noch so viel auf uns. Ganz Nordvietnam und Laos sowie der Norden von Thailand. Bereits jetzt würde ich unseren Asienaufenthalt am liebsten ausdehnen, da ich oft das Gefühl habe, noch viel mehr sehen zu wollen. Mehr Städte, mehr Nationalparks, mehr Inseln…mehr von allem halt. Besonders für Laos möchte ich mir gerne mehr Zeit nehmen. Denn so gut wie jeder Backpacker, der unseren Weg kreuzte, ist von diesen Orten begeistert gewesen. Wir können also davon ausgehen, dass auch wir uns dort wohlfühlen. Vietnam wiederum scheint die unterschiedlichsten Meinungen hervorzurufen – von abgrundtief hässlich bis wunderschön ist die ganze Palette vertreten.

Bisher gefällt es uns hier ganz gut. Die Fahrt nach Vietnam verlief jedenfalls relativ unspektakulär. Unser Visum hatten wir bereits in Phnom Penh besorgt und an der Grenze wurden wir schnell abgefertigt. Alles kein Hit. In Saigon angekommen haben wir uns auf die Suche nach einem Hostel gemacht.

Dabei hab ich mal wieder gemerkt, dass mir ein wenig Sport treiben und die damit einhergehende verbesserte Kondition sicherlich gut stehen würde. Die Häuser in Saigon sind alle eher in die Höhe als in die Breite gebaut, sodass wir mit unseren Rucksäcken ordentlich viele Stufen erklimmen mussten, um uns ein Zimmer ansehen zu können. Am Ende hab ich gepumpt wie ein Maikäfer. Hat sich aber gelohnt die ganze Sache, letztendlich haben wir ein niedliches kleines Zimmer für 5$ pro Person gefunden.

Nachdem die Sachen abgeschmissen waren, haben wir erst mal unsere nähere Umgebung erkundet. Die hatte ein wenig was von der Khao San Road in Bangkok. Wohin das Auge sah nichts als Backpacker, ein Shop am anderen und was besonderen Charme hatte: lauter kleine Straßenrestaurants mit Minitischen und Ministühlen. Das Highlight des Tages: wir trafen auf unsere ehemalige Kommilitonin und Freundin Caro sowie auf deren Kumpel Sam. Die beiden reisen auch gerade durch Südostasien und kamen genau aus der anderen Richtung, aus Nordvietnam, sodass sich unsere Wege kreuzten. Wir haben die folgenden 2 Tage zusammen verbracht. Am ersten haben wir eine Tour durch Saigon gemacht und ein paar Sehenswürdigkeiten angesehen. Den bleibendsten Eindruck hat dabei das Kriegsmuseum hinterlassen. Hier wurden ähnlich wie schon im S21-Museum in Phnom Penh Fotos von Kriegsopfern gezeigt. Der Fokus lag allerdings eher auf denjenigen, die unter den Spätfolgen vom Krieg betroffen waren, also diejenigen Opfer, die die Auswirkungen der chemikalischen Bomben (Stichwort Napalm!) am eigenen Leibe zu spüren bekamen. Das ging echt an die Nieren. Ein ganzes Museum voll von solchen Bildern:

Es ist einfach unvorstellbar, wozu der Mensch in der Lage ist. Eigentlich wollten wir 4 abends noch tanzen gehen, aber mit den Bildern des Tages im Kopf kam nicht so ganz die richtige Stimmung auf und so haben wir uns nach einem netten Abendessen recht bald in unsere Hostels verkrümelt. Am nächsten Tag ging es zu den sogenannten Cu Chi Tunneln, ca. 1 1/2h von Saigon entfernt.

An dieser Stelle mal wieder ein kurzer geschichtlicher Abriss:

Direkt unter der amerikanischen Militärbasis errichteten vietnamesische Guerilla-Kämpfer mit Schaufel und Spaten ihren wichtigsten Stützpunkt ein riesiges unterirdisches, ca. 248 Kilometer umfassender Tunnelsystem. Hier danden die Kämpfer Schutz und koordinierten ihren Widerstand. Unter der Erde entstanden ganze Städte mit Schulen, Lazaretten, Büros und Schlafgelegenheiten. Als Eingänge dienten mit Grasbewuchs und Laub getarnte Klapptüren, die durch einfache, aber wirkungsvolle Fallen wie Bambusspieße gesichert wurden.

Wir waren sehr neugierig und haben uns einen spannenden Ausflug erhofft. Schon im Bus mussten wir allerdings feststellen, dass wir Teil einer enormen Reisegruppe waren. An die 30 Mann zählten wir und bei den Tunneln angekommen tummelten sich noch mehr solcher Riesenreisegruppen. Dementsprechend war es ein wahrer Kampf, die sich im Boden befindenden Attraktionen anzuschauen. Unser Tourguide Marke "Drillmaster" hat das ganze mit seinen "NOW you take photo, NOW we go next attraction" nicht viel besser gemacht. Dementsprechend hat man wenig Tunnel und viel Meute gesehen. Einzig der kurze Trip durch ein Ministück der riesigen Anlage war sehr beeindruckend. Es war wahnsinnig eng und da der Mensch vor mir einen riesigen Rücken hatte, hab ich teilweise nicht mal die eigene Hand vor Augen gesehen. Am Ende war ich recht froh, wieder Licht am Ende des Tunnels zu erblicken. :)


Nach den Cu Chi Tunneln ging es mit unserer Massentourigruppe wieder zurück nach Saigon. Wir haben noch ein wenig die Stadt erkundet, waren im Zoo und sind abends lecker Essen gegangen.


Am nächsten Tag hieß es bereits Abschied nehmen von Caro und Sam. Früh morgens ging es für Anja und mich weiter ins vietnamesische Hochland, nach Dalat. Zwar hat der Wetterbericht Regen angesagt, wir hatten aber Glück und kamen im schönsten Sonnenschein an. Trotzdem war es aufgrund der Höhenlage um einiges frischer als in Saigon, sodass ich zum ersten Mal auf dieser Reise von meiner Fleecejacke Gebrauch machen konnte. Um die Umgebung von Dalat individuell erkunden zu können und nicht wieder inmitten einer riesigen Touristengruppe festzustecken, haben wir uns dafür entschieden, mit einem sogenannten Easyrider durch die Gegend zu ziehen. Ein Easyrider ist eigentlich nix anderes als ein Motorradfahrer mit Reiseführerqualitäten. An sich hätten wir uns natürlich gerne selbst ein Motorrad ausgeliehen, da ich aber nicht lebensmüde bin und meine nicht vorhandenen Fähigkeiten beim Autofahren kenne, haben wir es lieber gelassen. Das war glaube ich eine gute Entscheidung. Die Easyrider kennen Dalat und seine Umgebung wie ihre Westentasche, sodass sie uns tolle Orte zeigen konnten. Darunter ein Wasserfall, eine Blumenfarm, eine Kaffeeplantage und -verarbeitungsstelle, eine Seidenfarm und ein Tempel.


Da ich mich ja sehr schnell von eindrucksvoller Natur begeistern lasse, gehörte der Wasserfall natürlich zu meinen persönlichen Tageshighlights. Die sogenannten "Elephant Falls" waren noch viel beeindruckender als der Wasserfall im Bokor Nationalpark. Auch die Seidenfarm war sehr interessant, da man hier die verschiedenen Produktionsstufen mit verfolgen konnte.

Am Ende des Ausflugs wartete noch ein ganz besonderes Gebäude auf uns, das „Crazy House“, wo der Name Programm ist. Das Innere der Gebäude besteht aus Höhlen, verschlungenen Gängen, gewundenen Treppen, skurrilen Möbeln und lebensgroßen Tierstatuen. Gerade Formen und rechte Winkel gibt es nicht. Egal ob Räume, Gänge, Treppen, Fenster oder Möbel - alles wirkt, als ob es in großer Hitze geschmolzen und dann in grotesken Formen wieder erstarrt wäre. Verglichen mit diesem Kunstwerk wirken die Bauwerke Hundertwassers geradezu strukturiert und normal.

Nach einem so vollgepackten Tag haben wir uns für den nächsten relativ wenig vorgenommen. Sind durch die Stadt geschlendert, am Fluss langgebummelt und bis zu einem nahegelegenen Flowerpark gekommen. Der war allerdings malwieder relativ unspektakulär: wenig Flower, wenig Park. Man hätte das Ganze auch einfach „Gewächshaus“ nennen können. Punkt. Haken hinter.

Aber das sich manche vom geliebten Lonely Planet so hoch angepriesene Attraktionen nicht immer bewahrheiten, haben wir ja schon des Öfteren Mal festgestellt. Da sieht man irgendwann mit einem lachenden Auge drüber weg. Trotzdem ist es faszinierend zu sehen, wie es eine solche Reisebibel die Massen zu lenken vermag. Für die dort angegebenen Hostels und Cafes steigen aufgrund von hoher Beliebtheit oft die Preise, die erwähnten Sehenswürdigkeiten sind überlaufen und es gibt sogar schon T-Shirts mit dem Aufdruck „Loosers Plan It“. J Sehr bezeichnend. Wer von euch nix zu tun hat, sollte sich mal daran versuchen, einen richtigen Geheimtipp-Reiseführerzu verfassen und damit etwas zu erschaffen, was der Lonely Planet leider nicht mehr ist.

Lonely Planet hin oder her, nach 3 sehr schönen Tagen in Dalat machten wir uns auf nach Nha Trang, unser Weihnachtsdomizil. Hier hatten wir seit Langem mal wieder einen Strand vor der Nase. Allerdings hat das Wetter nicht gerade zum planschen eingeladen. Es war relativ kühl und auch wenn wir nicht mehr im Hochland waren, musste die Fleecejacke trotzdem wieder rausgeholt werden. In Nha Trang trafen wir auf Nacho unseren Spanier, mit dem wir von Zeit zu Zeit zusammen reisen und der bereits eine gewisse Konstante für uns bildet. So war für uns klar, dass wir Weihnachten zusammen verbringen müssen. Wir haben Tür an Tür gewohnt und haben uns einen riesigen Balkon mit Meerblick geteilt. Der Weihnachtstag verlief mal so ganz anders, als das in Deutschland normalerweise der Fall ist. Zunächst einmal haben wir uns ein dekadentes Pancake-Frühstück gegönnt, anschließend wurde eine kleine Shoppingrunde gestartet und danach hab ich mir eine Massage zu Weihnachten geschenkt. Die wäre auch richtig entspannend gewesen, hätte die junge erkältete Masseuse nicht ständig ihren Rotz hochgezogen. Sehr angenehm……

Trotzdem hat es mir mein Rucksack-Rücken gedankt.

Anschließend sind wir mit Nacho ein wenig am Strand spazieren gegangen, bevor es ab vor den Laptop und per Skype ins heimische Wohnzimmer nach Potsdam ging. Dort wurde dann auf beiden Seiten beschert und trotz der tausenden Kilometer, die mich und meine Eltern trennten, war es sehr schön. Abends sind wir zu dritt nett Essen gegangen und abends wollten wir eigentlich tanzen gehen. Nha Trang hatte aber relativ wenig zu bieten, sodass wir schon kurz nach Mitternacht wieder Richtung Hostel marschiert sind. Generell hat mir Nha Trang nicht so sehr gefallen.

Keine schönen Häuser, viele hässliche Hotels aneinander, und der Hauptanteil der Touristen wird von Russen abgedeckt (das soll jetzt nicht gemein klingen, aber irgendwie sind mir die meisten bisher nicht so sympathisch). Ich war dementsprechend froh, als es von Nha Trang weiter nach Hoi an ging. Diese Stadt war dann schon sehr viel mehr nach meinem Geschmack, neben Siem Reap vielleicht sogar die schönste, die ich bisher auf unserer Reise gesehen habe. Die Altstadt ist sehr gut erhalten und wirklich niedlich. Hier lässt es sich gut leben, besonders wenn, wie während unseres Aufenthalts, die Sonne vom Himmel strahlt. Nachts sind die Straßen in der Nähe des Flusses von lauter Lampen beleuchtet – das Ganze hat sehr viel Charme.

An unserem nächsten Tag in Hoi An haben wir uns zur Abwechslung mal wieder 2 Drahtesel ausgeliehen, um zum 5km entfernten Strand zu radeln - bei Sonnenschein. Zwar war die Tour mal wieder ein kleines Abenteuer und ich hatte das Gefühl, dass meine Knie beim Treten die Ohren berühren, aber der Strand an sich war schön und vor allem - fast VERLASSEN. Es haben sich abgesehen von uns nur ca. 2 Familien und eine kleine Armbandverkäuferin dort rumgetrieben.

Hoi An ist neben seiner schönen Architektur vor allem als Schneiderparadies bekannt. Hier reiht sich ein Schneider an den anderen und man kann sich für wenig Geld maßgeschneiderte Mäntel, Anzüge und sogar Schuhe herstellen lassen. Auch Wind- und Wetterjacken der Marke The Northface kann man hier schon für schlappe 20€ abstauben. Anja und ich haben uns jeweils mit nem Rucksack für 10€ eingedeckt, weil unsere kleinen Knirpse doch nicht so das Gelbe vom Ei sind und wir für eine ordentliche Wanderung (Neuseeland!) eine gute Polsterung für den Rücken benötigen.

So…nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich mit meinen Ausführungen endlich beim heutigen Tag angekommen. Wir sind nämlich heute früh im dicksten Regen von Hoi An nach Hue aufgebrochen (Nacho nach). Hier werden wir morgen ins neue Jahr hineinfeiern. Bisher haben wir noch nicht allzu viel von der Stadt gesehen, da das Wetter ziemlich mistig ist und meine Fleecejacke nun auch noch von meiner Regenjacke Gesellschaft bekommt. Ich hoffe sehr, dass es morgen besser wird. Wenn ich schon nicht mitm Cocktail am Strand liegen kann, dann will ich wenigstens kurzärmelig ins neue Jahr schreiten.

Tja ihr lieben, wenn ihr das hier lest, dann ist schon der 31.12. Das Internet hier im Hostel ist so langsam, dass ich mir sicher nen Wifi-Café suchen muss, um alle Bilder und letztendlich den Eintrag hochzuladen. Ich wünsche euch alle einen wundervollen Rutsch ins neue Jahr. Lasst es ordentlich krachen, aber vorsichtig mit der Knallerei, sonst sind die Finger ab und ich krieg keine Mails mehr von euch.

Seid ganz herzlich gedrückt. Bis zum nächsten Jahr. :)